Künstliche Intelligenz nimmt Expertenberufen den Qualitätsnachweis
Grundlagenarbeit zur Signaltheorie begutachtet in der spieltheoretischen Fachzeitschrift „Games“ erschienen – Beschäftigung bei 22- bis 25-Jährigen in KI-nahen Berufen um 16 Prozent gesunken – kostenloses Rechenwerkzeug für acht Berufe online
Wien (OTS) – Wenn die KI den größten Teil der Arbeit erbringt, sieht jedes Ergebnis gleich gut aus, und Auftraggeber können Können nicht mehr am Produkt ablesen. Das zeigt ein Modell des Wiener Forschers Andreas Bauer, das begutachtet in der spieltheoretischen Fachzeitschrift „Games“ erschienen ist. Die Arbeit gehört zur Signaltheorie, jenem Zweig der Wirtschaftsmathematik, für den Michael Spence 2001 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt.
Bezahlt wird nach dem Modell künftig eine andere Fähigkeit: im Fehlerfall zu übernehmen. Sie wächst nur an Fällen, die jemand selbst bearbeitet.
Die Einsteiger trifft es zuerst
Bei den 22- bis 25-Jährigen in KI-nahen Berufen ist die Beschäftigung um 16 Prozent gesunken, bei Softwareentwicklern um rund 20 Prozent. Gemessen haben das Brynjolfsson, Chandar und Chen (Stanford 2025) an Lohndaten von 4,6 Millionen Beschäftigten.
Wer alles der KI überlässt, steht in wenigen Jahren wieder auf Einsteigerniveau
sagt Bauer, Geschäftsführer einer Wiener Beratungsfirma für Compliance.
Seit Januar zahlt die Berufshaftpflicht bei KI-Schäden nicht mehr
Berufshaftpflichtversicherer schließen seit Januar 2026 Schäden aus, die beim Einsatz generativer KI entstehen. Eine Begleitarbeit rechnet sechs Auftragsarten in vier Rechtsordnungen durch, 24 Konstellationen. Solange die Deckung greift, ist in drei davon das Eigenkapital des Anbieters die bindende Grenze, nach dem Ausschluss in elf.
Die Rechnung zeigt Größenordnungen unter offengelegten Annahmen und misst keinen Markt.
§ 1336 ABGB entscheidet mit
Wer sein Können nicht mehr am Produkt zeigen kann, braucht ein Versprechen, für das er haftet. Wie hoch die Vertragsstrafe ausfallen darf, entscheidet die Rechtsordnung: Für Österreich setzt die Arbeit den Faktor 1,5 an, Bandbreite 1,2 bis 2,0, weil ein Gericht nach § 1336 Abs. 2 ABGB mäßigen kann. Für England liegt der Ansatz bei 3, für Deutschland ist er im ausgehandelten Vertrag praktisch unbegrenzt.
Daraus folgt eine Zahl, die sich merken lässt: Ein Fehler muss in zwei von drei Fällen nachweisbar sein, sonst schreckt das Versprechen nicht mehr ab.
Verträge vor 2007 fallen unter andere Regeln
Das Mäßigungsrecht gilt in dieser Form erst für Verträge ab dem 1. Jänner 2007. Davor stand Kaufleuten § 348 HGB entgegen, den das Handelsrechts-Änderungsgesetz aufgehoben hat; die Anknüpfung regelt § 907 Abs. 18 UGB. Zwei inhaltlich gleiche Verträge werden dadurch verschieden behandelt, je nach Abschlussdatum.
Der Prüfer sieht denselben Fehler nicht
Einen Fehler nachzuweisen setzt voraus, dass ein Zweiter ihn sieht: ein Kollege, ein Gutachter, ein Sachverständiger. Arbeitet dieser Zweite mit demselben Modell wie der Erste, teilt er dessen blinde Flecken.
Wenn alle dieselbe KI benutzen, ändert sich kein Gesetz und keine Vorschrift. Es ändert sich nur, ob den Fehler noch jemand findet
sagt Bauer.
In der Modellrechnung trägt ein Haftungsversprechen bei einem Fünftel gleicher Modelle in achtzehn der 24 Konstellationen, nach dem Versicherungsausschluss in zwölf. Bei 40 Prozent sind es zwölf, nach dem Ausschluss vier.
Acht Berufe lassen sich selbst durchrechnen
Das Werkzeug berücksichtigt Beruf und Erfahrungsstufe und steht kostenlos unter tafew.github.io/ki-job-check. Medien können es ohne Entgelt verlinken oder einbetten.
Rückfragen & Kontakt
Bauer Advanced Network Solutions KG
Mag. Andreas Bauer
+43 1 4420421
vienna@ans.de.com
Quellen
Die Grundlagenarbeit „The Last Costly Signal“ ist am 15. September 2026 in Games 17(5), 49 erschienen, im Themenbereich Economic Theory and Applications (doi:10.3390/g17050049). Die Berechnungen zu Versicherungsausschlüssen und Modellgleichheit stammen aus „Three Ceilings“, einer eingereichten, noch nicht begutachteten Arbeit desselben Autors; Rechenweg und Parameterherkunft sind offengelegt (doi:10.6084/m9.figshare.33188046). Die Beschäftigungszahlen: Brynjolfsson, Chandar und Chen, Stanford 2025.